Freundschaftsverbot

Eure Lehrerin kündigt einen neuen Mitschüler an, morgen beginnt sein erster Schultag in eurer Klasse, sie bittet euch, ihn herzlich bei euch aufzunehmen, mit ihm Freundschaft zu schließen. Der Junge kommt aus Marokko und ist Moslem, sie erinnert Euch daran, ihm kein Schweinefleisch anzubieten, da seine Religion den Verzehr von Schweinefleisch verbietet.

Und nun ist der große Tag da, es ist noch nicht ganz einfach, weil er noch nicht gut deutsch sprechen kann, die Wochen und Monate vergehen und es klappt immer besser. Zwei Jungs wohnen sogar unweit von ihm entfernt, möchten sich mit ihm anfreunden. Er reagiert zurückhaltend.

Erst nach und nach erfahrt ihr von ihm, daß sein Vater sehr gläubig ist und regelmäßig in der Moschee betet, und er hat viele Fragen, den vieles in unserer Kultur ist neu für ihn. Sein Iman, das ist sowas wie ein Pfarrer oder Priester, hört ihm stets geduldig zu und hat auf jede Frage antworten, die er im Koran gefunden hat. Seine Antworten sind für die gläubigen Muslime verbindlich. Der Vater wollte wissen, ob er seinem Sohn erlauben solle, sich mit ungläubigen Kindern anzufreunden (die Moslems sagen: ungläubig ist jeder, der nicht an Allah glaubt, der christliche Gott zählt bei ihnen nichts), der Iman entschied, daß er seinem Sohn verbieten müsse, mit Nichtmuslimen zu spielen, er dürfe sich nicht mit ihnen anfreunden, zu groß ist die Gefahr, daß sein Sohn vom islamischen Glauben abfallen könnte, das sei nicht zu tolerieren. Der Sohn traut sich nicht seinem Vater zu widersprechen und ordnet sich ihm unter.

Als er seinen Mitschülern davon erzählte war er recht kleinlaut, aber er fügte sich seinem Vater und ging den Schulweg sicherheitshalber ohne seine Mitschüler und nachmittags mit ihnen verabreden ging schon gar nicht! Die Mitschüler waren enttäuscht, sie hatten es nicht geschafft ihn umzustimmen.

Die Vorgaben des Iman nennt man Fatwa, hier ist ein ähnliches Beispiel zu lesen.

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